Kamerad Martin Bergarbeiterdenkmal aus der Lutherstadt Eisleben

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Bergbau

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Über den Riestedter Bergbau

Schon in sehr früher Zeit hat man in der Riestedter Flur Bergbau betrieben. Die Riestedter Mulde umgebenden Berge bestehen aus Buntsandstein, der in seinen oberen Schichten Rogenstein und Brauneisenstein enthält. In der Niederung, dem sogenannten Rieth, kommt Raseneisenstein vor. Bereits im 5. -1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung werden diese Eisenerze abgebaut und verhüttet. Im 16. bis 18. Jahrhundert besorgten das Schmelzen der Erze die „Eisenhämmer“ zu Sangerhausen, die um 1750 eingingen. Die Gewinnung erfolgte in offenen Gruben durch die Besitzer der einzelnen Äcker. Alte Flurbezeichnungen und Schlackenhalden lassen darauf schließen. Nach der Pfarrmatrikel von 1575 besitzt die Custia Land "ufm Schacht“. 1731 besitzt das Vockelsche Freigut ,,4 Acker auf der Schlackenhohle". Der sogenannte Kollerberg (kleine Erhebung am östlichen Ortsrand) soll aus Schlackenhalden bestehen. 1563 sind von Emseloh (Nachbarort von Riestedt) bis auf Hergensol (jetzt Wüstung) zwei Schächte (vermutlich zum Abbau von Kupferschiefer) von den zu Sondershausen eingeschlagen worden, die Haderschächte (Hader-Streit) genannt sind; aber sie sind durch Graf Albrecht von Mansfeld wieder eingefüllt worden. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts (um 1708) betrieb man in der Flur Riestedt schon Bergbau auf Kohlen. Im Kirchenbuch von Riestedt steht: „1729 stirbt Hans David Walther, ein Bergmann von Blankenheim; dieser verunglückte den 10. Dezember in einem vor hiesigen Dorfe gelegenen Steinkohlenschachte durch böses Wetter, so ihn überfallen, und wird am 22. Dezember in Begleitung der sämtlicher Bergleute zur Erde bestattet“. Der Sangerhäuser Chronist, Friedrich Schmidt schreibt über den Kohlebergbau: „Bis dato betrieben die Feldbesitzer den Abbau der Kohle in Eigenregie, wobei sie ständig mit einbrechendem Wasser zu tun hatten, so dass der Abbau fast zum Erliegen kam und im wesentlichen nur noch der Eigenversorgung diente. Eine Wende trat etwa um 1813 ein, als sich die Kupferhütte Sangerhausen die Kohlenflöze wie auch Erzvorkommen zueignen wollte“. Auch der Riestedter Pfarrer Pröller berichtet, unter den 5. Nov. 1838 über diesen Streit zwischen der Kupferhütte und den Riestedter Feldbesitzern; der Prozess fiel zu Gunsten der Feldbesitzer aus. Im Jahre 1817 ließ man durch Sachverständige das ganze nach Osten gelegene Feldrevier durch Bohren der Kohlenflöze untersuchen und fand, dass Kohlenflöze auf beiden Seiten der Chaussee, links bis an die „Halbe Hufe“ (Bezeichnung für ein Flurstück) und rechts bis über den „Riethgraben“ reichend, ständen, die vielleicht eine Masse von 15 Millionen Tonnen enthalten könnten und die, wenn ferner, wie bisher, abgebaut würden, jährlich an 31 bis 40000 Tonnen, wie im Jahre 1836, 26000 Maß (a Maß, etwas mehr als eine Tonne) noch 250 Jahre abgebaut werden könnten. 1836 kam man mit den Gewerkschaften Mansfeld und Eisleben überein, dass diese Gewerkschaften sämtliche Kohlenflöze vorerst auf 25 Jahre übernehmen sollten. Allein dieser Kontrakt war nicht geeignet, den Frieden zwischen den Kontrahenten zu sichern. Daher riet der Oberbergrat Eckardt in Eisleben zu dem Verkauf der Kohlenflöze von 318 Äckern. Die hiesigen Kohlen-Acker-Besitzer (137 Besitzer) ersuchten den Beamten, den Wert des mutmaßlichen Kohlenschatzes abzuschätzen (nach früheren Erforschungen sollten 9400000 Tonnen Braunkohlen vorrätig sein). Die Verkaufssumme von 48000 Thlr. für die Braunkohle in den 318 Äckern wurde letztendlich durch Verhandlungen erstritten. Erst nachdem die Mansfeldische Gewerkschaft seit 1838 das Auskohlungsrecht erworben und feste Normen aufgestellt hat, ist ein planmäßiger und rationeller Betrieb an die Stelle jener älteren regellosen Abbaue getreten. Abgebaut wurde nach den Aufzeichnungen Friedrich Schmidts:

- Moorkohle mit schiefriger Textur und

- bituminöse Holzkohle mit vormaliger Holztextur

Hierbei sind im Laufe der Zeit 6 Flöze aufgeschlossen worden, deren Mächtigkeit von 4 1/2 bis 7 1/2 Fuß variiert. Etwa 56 Jahre hat der Abbau von Braunkohle durch die Mansfelder Gewerkschaft in der Riestedter Flur gedauert, bis er aus Rentabilitätsgründen (Konkurrenz durch bessere Kohle, erschwerte Abbaubedingungen durch Wassereinbrüche) eingestellt werden musste. Schlagartig wurden 300 Bergleute brotlos, die Einwohnerzahl von Riestedt fiel um 100. Das tiefste und einschneidendste Ereignis im wirtschaftlichem Leben von Riestedt im 19. Jahrhundert war also mit dem Abbau und der Schließung des Braun-Kohlenbergbaues verbunden.

Viele Halden und der Damm einer Pferdebahn legen heute noch Zeugnis ab, von der langen bergbaulichen Tradition der Riestedter Bevölkerung.

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Über den Riestedter Bergbau

von Lehrer Rudolf Allmann (1901-1991)

Erzbergbau: 

Riestedt und die Riestedter Mulde werden umgeben von Bergen, die aus Buntsandstein gebildet sind. In den oberen Lagen dieses Buntsandsteins befindet sich eine Rogensteinschicht, die wiederum einen Eisenstein enthält, den die Geologen Brauneisenstein nennen. Außerdem gab es noch im Riehte den Raseneisenstein, wovon heute noch die eisenhaltigen Quellen sprechen. Diese Eisenvorkommen waren die Voraussetzung für einen jahrtausendealten Eisenbergbau in Riestedt. Schon in der Latenezeit 5.-1. Jh. v. u. Z. werden diese Eisenerze abgebaut und verhüttet. In der römischen Kaiserzeit 1.-4. Jh. u. Z. und in den folgenden Jahrhunderten der deutschen Frühgeschichte bis ins hohe Mittelalter (16. Jh.) hinein geht dieser Bergbau weiter. Die Verhüttung geschah durch ein bäuerliches Verfahren, durch sogenannte Bauernrennfeuer, kleine Kuppelöfen zum Teil in der Erde, in Gruppen von je 3 Öfen. Erst im 16.-18. Jh. Besorgten das Schmelzen die Eisenhämmer zu Sangerhausen und Bennungen, die um 1750 eingingen. Das Brechen des Braueisensteines erfolgte in offenen Gruben von den Besitzern auf den einzelnen Äckern. Heute sind es nur noch schwache Reste die daran erinnern. Kleine Gruben und Halden und Flurnamen z.B. „ufn Eisengruben vorm Fritschenholze“, „auf dem Taubenberge“, „ Eisenschächte am kleinen Kuhberg,“, „am Geistberge“.

Braunkohlebergbau:

Jünger ist der Bergbau auf Braunkole in der Riestedter Mulde. Hier dehnte sich in der Tertiärzeit (vor 60 Mill. Jahren) sumpfige Wälder, deren Pflanzen langsam verkohlten. Viele Halden und der Damm einer Pferdebahn bilden die Reste des einstigen Untertagebaues. Zum ersten Mal hören wir von diesem Kohlebergbau im Jahre 1708, als die „Kohlenschächte hinter Bruders Garten“ erwähnt werden. In den Jahren 1784-98 wurde er von 12 Mann betrieben. Um 1750 übernahm die Sangerhäuser Gewerkschaft der Kupferhütte den Abbau und betrieb ihn mit Unterbrechungen bis 1799, dann tat es die Gemeinde selbst. 1837 erwarb die Mansfelder Gewerkschaft das Abbaurecht, wobei Kohlefuhren nur von Riestedt besorgt werden durften. 1864 waren bei diesem Betrieb 1 Obersteiger, 4 Steiger, 210 Häuer und Förderleute, 33 Jungen, also 248 Mann beschäftigt. 1894 stellte die Mansfelder Gewerkschaft nur aus rein kapitalistischen Erwägungen den Betrieb ein, sicher für Riestedt ein schwerer Schlag. 300 Bergleute wurden brotlos, die Einwohnerzahl fiel sofort um 100, eine wirtschaftliche Krise war die Folge..