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Archäologische Funde bei örtlichen Erschliessungsarbeiten
Bereits im Jahre 1996 wurde in Riestedt bei Erschliessungsarbeiten ein 7000 Jahre altes Höckergrab aus der Zeit der Bandkeramik entdeckt. Einen weiteren interessanten Grabfund gab es beim Bau der Ortsumgehung Riestedt. Dem
ehrenamtlichen Beauftragten des Landesamtes für Archäologie und Mitglied des Riestedter Geschichts- und Heimatvereins Frank Philippczyk fielen die dunklen Verfärbungen an der freigelegten Trasse auf. Nach Information an das Landesamt
wurde unter Leitung des zuständigen Archäologen und unter Mithilfe von Mitgliedern des Geschichts- und Heimatvereins ein nicht alltägliches Kindergrab aus der Jungsteinzeit (Kugelamphoren-Kultur) freigelegt. Nichtalltäglich deshalb,
weil bei der Untersuchung des Kinderschädels ein so genannter Wasserkopf festgestellt wurde. Auch die Grab- beigaben, so genannte Hirschgrandeln, deuten auf eine außergewöhnliche Bestattung hin. Das Landesamt für Archäologie Halle
hatte deshalb im Internet unter der Rubrik “Fund des Monat März 2002” diesen Vorgang veröffentlicht. Jetzt, im Jahre 2003, ist es zu neuerlichen,
interessanten archäologischen Funden gekommen. Bereits aufmerksam gemacht auf Funde im Umkreis der Riestedter St. Wigberti Kirche durch den verstorbenen Riestedter Bodendenkmalpfleger, Rudolf Allmann, begleiteten, der Archäologe Olaf Kürbis vom Landesamt für Archäologie, der Grabungszeichner Heinz Noack aus Bennungen und der Riestedter Bodendenkmalpfleger Frank Philippczyk die Erschliessungs- arbeiten für die innerörtliche Kanalisation. Dabei wurden bislang Teile eines Eisenschmelzofen und Schlacke, Scherben eines römischen Importgefäßes
aus der Terra-Sigillata-Produktion, ein außergewöhnlich großer Zahn (eventuell Eckzahn eines
Bären) und nebenstehend abgebildete Knochentäfelchen gefunden. Die Verhüttungsreste, etwa 1800 Jahre alt, weisen auf das Schmelzen von Brauneisenstein aus der Umgebung
von Riestedt hin. Bei der gefundenen Scherbe, ein Bodenteil einer größeren Schale, handelt es sich um eine rote Keramik, die in Italien anzutreffen ist. Die Entstehungszeit der
Schale liegt etwa vor 1800 Jahren, in der römischen Kaiserzeit. Rund drei mal drei Zentimeter groß sind die beiden verzierten Knochentäfelchen, die in rund 70 cm Tiefe
gefunden wurden. Gefertigt wurden sie aus den Mittelfußknochen eines Rindes, auch sie sind rund 1800 Jahren. Die Knochentäfelchen wurden für die Brettchenweberei benutzt.
Die Feinheit der Arbeiten weist darauf hin, dass damit vermutlich Leinen und Bordüren als Besatz für Kleider gewebt wurden. All diese Fundstücke lassen den Schluss zu, dass die nähere Umgebung von Riestedt schon recht früh besiedelt
wurde und in späteren geschichtlichen Zeiten der Ort selbst, auch bedingt durch seine verkehrsgünstige Lage, ein frequentierter Handels- und Herstellungsort war. Da die Erschliessungs- arbeiten noch nicht abgeschlossen sind, besteht
die Hoffnung auf weitere Funde.
Riestedt, im August 2003
Die obigen Informationen wurden der örtlichen Presse entnommen
Landesamt für Archäologie Halle - Fund des Monats -
Als Riestedter aus Sachsen - Anhalt sehen wir es gewissermaßen als ein Muss an, auch auf unseren Riestedter Ortsnamensvetter in Niedersachsen aufmerksam zu machen. Auch das Riestedt in Nieder- sachsen ist im Internet unter www.riestedt.net zu erreichen. Wir wünschen jedenfalls unserem Namensvetter bei der Gestaltung der Internetseiten viel Erfolg und vielleicht finden wir auch wieder einen gemeinsamen Kontakt.
, so erreichen Sie die Homepage von Riestedt in Niedersachsen
Der Pfarrer Johann Schütz (Sagittarius)
Riestedt hat einige hervorragende Pastoren gehabt, zu ihnen zählte zweifellos auch der Pfarrer Johann Schütz, geboren 1518 und in Riestedt seit 1558. Der Name Schütz, oder wie er sich in der lateinischen Form selber genannt hat, Sagittarius, lockt geradezu nach einer Verbindung zu seinem berühmten Namensvetter Heinrich Schütz (Sagittarius) zu suchen. Es gibt kleine Hinweise, dass solche familiären Bindungen bestanden haben können. Wenn wir über den Johann Schütz etwas zu hören bekommen, dann spitzen wir natürlich die Ohren. So haben wir vor kurzem die nebenstehender Ablichtung erhalten, sie stammt aus einem Originalbüchlein aus der Zeit um 1560 -1570. Das Büchlein wurde in Eisleben verlegt und befindet sich im Besitz von Herrn Harnisch aus Gernrode, der uns diese Veröffentlichung gestattete. Der Pfarrer Johann Schütz hat insgesamt 5 religiöse Schriften verlegen lassen.
Riestedt hat eine Zweifeldersporthalle


Am 15.11.2001 wurde mit dem Bau begonnen und ein Jahr später am 13.12.2002 wurde die große Zweifelder -Sporthalle feierlich eröffnet. Rund 2,8 Mill. Euro wurden investiert, diese Summe kam von der Gemeinde Riestedt, aus Fördermitteln vom “Plan Ost” und vom Arbeitsamt Sangerhausen. Sportbegeisterte aller Altersgruppen aus Riestedt und Umgebung nutzen die sehr guten Bedingungen, denn alles ist da: Sportgeräte, Gymnastikgeräte, Matten, Bälle, Netze zum Tennisspielen, eine Tribüne für die Zuschauer und Umkleidekabinen mit sehr guten Sanitärtrakten -auch eine Behindertentoilette fehlt nicht! Die Sportgruppen des Sportvereins "Alemania" Riestedt e. V. wie Fußball, Tischtennis, Tennis, Volleyball und Gymnastik nutzen die Halle schon eifrig und auch die Vereine des Ortes -wie z. Zt. der Riestedter Karnevals- Club -nutzen dieses neue Objekt in Riestedt für ihre Veranstaltungen.
Die Halle, ein Volltreffer!
Alten Flurgrenzen nachgegangen.
Unsere Altvorderen mussten auf Grund hochherzöglicher, später behördlicher Anweisungen, zum Zwecke der Festlegung von Abgaben (Zehnt, Flursteuer) in bestimmten Zeitabschnitten so genannte Zehnt- bzw. Grenzgänge durchführen. Das war in einer Zeit, als es noch keine Messgeräte und Flurkarten gab, mit denen man den genauen Verlauf oder die Lage von Flurstücken oder Grenzen festhalten bzw. nachvollziehen konnte. In dieser Zeit war also das menschliche Erinnerungsvermögen, gestützt von einigen Anhaltspunkten (Grenzsteine etc.), gefragt um solche Aufgaben möglichst genau zu vollziehen. So mussten denn, um das Gedächtnis zu trainieren und wachzuerhalten, alle Einwohner eines Dorfes, vom Kleinkind bis hin zum Opa, an Grenzgängen teilnehmen. Das war teils eine strenge Amtshandlung und teils ein Volksfest. So bewegte sich an solchen Tagen ein bunter Zug mit Schinderassasa und Bumbum durch die Landschaft. Vorn an der Spitze die Reiter, dann die Polizei und die Soldaten, danach die Honoratioren des Ortes mit den Gästen und zum Schluss das bunte Dorfvolk mit Kind und Kegel. An besonders markanten Grenzpunkten wurde Halt gemacht und wer von den Jugendlichen nicht aufgepasst hatte, bekam an dieser Stelle eine Ohrfeige, damit er sich den Grenzverlauf gut merke. Abends gab es dann in der Schenke Essen und Freibier, um sich für den nächsten Tag und den Weitergang und Abschluss des Grenzganges zu stärken. Über all das und was sich sonst noch bei den Grenzumzügen ereignete, wissen wir recht gut bescheid, weil uns alte, schriftliche Aufzeichnungen von Grenzgängen aus den Jahren 1678, 1716 und 1769 erhalten blieben.
Der Riestedter Heimat- und Geschichtsverein hat nun diese Überlieferungen zum Anlass genommen, um so einen alten Grenzgang, zumindest ein Stückchen davon, einmal selbst nachzugehen. Gemäß der Volksweisheit – Probieren geht über Studieren – marschierten also 23 Riestedter Bürger am 12.10.2003 auf den Spuren ihrer Altvorderen
Der Vorsitzende des Riestedter Heimat- und Geschichtsvereins, Herr G. Vogler, begrüßte alle Teilnehmer und erinnerte an die historische Bedeutung der Grenzgänge und daran, dass dies nach derzeitigen Erkenntnissen zum ersten Mal, fast auf den Tag genau, vor 325 Jahren geschah. Die Marschrichtung lautete: Richtung Gonna den „Ravensweg“ aufwärts......
......erster Halt, auf der Höhe des „Kieskopfes“. Hier gibt der stellvertretende Vorsitzende, Herr Dr. K. Vinzens, anhand von Flurkarten Erläuterungen zum Grenzverlauf und zu den geschichtlichen Hintergründen der Grenzgänge. Nun dürfte sich aber niemand mehr verlaufen auf den Weg zur nächsten Flurbezeichnung, den „Weinbergen“......
....."Weinberge" haben es so an sich, dass sie leicht bergan gehen, aber alle schafften es. Hier wurde in früheren Zeiten Wein angebaut, womit höchstwahrscheinlich auch das damalige, nahe Riestedt gelegene, Kloster „Kaltenborn" versorgt wurde. Heute wächst hier leider kein Wein mehr.
Der höchste Punkt am „Gonna ´schen Berg" ist erreicht, die Flurexperten sind sich trotz Karte anscheinend nicht ganz einig über den genauen Grenzverlauf, aber Ohrfeigen wurden deshalb nicht ausgeteilt. Spätestens hier beginnt die Hochachtung über die Gedächtnisleistungen unserer Vorfahren.
Exakt der Grenzlinie entlang geht es weiter im Gänsemarsch in Richtung „Windmühle“. Bis hierher haben früher die umliegenden Orte ihr Getreide zum Mahlen bringen müssen. Das nächste Ziel trägt die Flurbezeichnung „Das Drehlichen“ und hier erwartete uns eine stärkende Überraschung.
Der Marketenderwagen war vorgefahren, mit belegten Broten (hausgeschlachteter Wurst!!!), Kaffee, Tee, Obst etc. Ein großes Dankeschön an die Initiatoren. Alle waren sich einig - im nächsten Jahr führen wir wieder einen Grenzgang durch -: nicht zuletzt auch deshalb, weil schon der herrliche Anblick auf unsere nähere Heimat für die kleinen Strapazen entschädigte.





Blick nach Süden über das Harzvorland
Vom Heimat- und Geschichtsverein Riestedt ist über die historischen Grenzgänge unter Einbeziehung von Flurkarten und alten Flurnamen eine kleine Broschüre erarbeitet worden, die käuflich zu erwerben ist.
Riestedt, im Oktober 2003



Der Riestedter Geschichtsverein berichtet
(Was geschieht gegenwärtig mit unserem Ort?)
Der Verein für Heimat und Geschichte in Riestedt hat in seiner Gründungssatzung neben der Tätigkeit für die Erhaltung geschichtlicher Zeugnisse und Denkmäler vermerkt, dass er auch Einfluss nehmen will auf die Entwicklung des Dorfes. Unter diesem Gesichtspunkt halten es die Vereinsmitglieder für erforderlich, zur gegenwärtig sich abzeichnenden Dorfentwicklung aus ihrer Sicht einige Anmerkungen zu machen. Speziell geht es dabei um die geplanten Maßnahmen zur Änderung der bestehenden Verwaltungsstruktur und um die Schließung der Riestedter Schule. Wir sind als Geschichtsverein in der glücklichen Lage anhand von vielen historischen Dokumenten einen fast lückenlosen Nachweis über ein gut funktionierendes Riestedter Gemeinwesen aus vergangenen Zeiten zu erbringen. Diese Dokumente lassen uns teilhaben an einer 550 Jahre alten, über unterschiedliche Gesellschaftsordnungen hinweggehende Dorfgeschichte, mit friedlichen Abschnitten, aber auch mit Notsituationen, wie Brände, Plünderungen, Naturkatastrophen, Seuchen, Epidemien und Kriege. Immer wieder treffen wir dabei aber auch auf Menschen, die für die Erhaltung und den Fortbestand des Ortes und seiner Bürger gekämpft, gestritten und Opfer gebracht haben. Je mehr wir uns mit diesen Dingen beschäftigten und je tiefer wir in die Ortsgeschichte eindrangen, um so mehr spürten wir, welche Rolle dabei auch die Riestedter Schule gespielt hat. Da findet man in Zeiten größten Elends und größter Not Hinweise, wie rechtschaffene Bürger für die Knaben eine neue Schultafel anschafften und sich bemühten, dass auch die Mädchen am Schulunterricht teilnehmen konnten. Da werden zusätzliche ein paar Sack Kohlen bereitgestellt, um den Klassenraum im harten Winter heizen zu können. Da tauchen aus der Vergangenheit Namen von Pastoren, Kantoren, Lehrern, Schultheißen, Bürgermeistern und Gemeindevorstehern auf, die sich sehr um das Gemein- und Schulwesen verdient gemacht haben. Den Chronisten fallen sofort Namen dazu ein, wie, Fasch, Stützer, Pröller, Selmar, Kohlmann, Födisch um nur einige zu nennen. Aber nicht nur aus längst vergangenen Zeiten gibt es solche Hinweise des Opfersinns und der Solidarität für die Schule. Auch aus jüngster Zeit gibt es Dokumente über freiwillig geleistete Stunden von Riestedter Bürgern, die am ersten Schulneubau im Kreis Sangerhausen nach 1945 teilnahmen. Es wäre für uns kein Problem noch weitere Zeugnisse und Belege von der tiefen, geschichtlichen Verwurzelung der Bürger mit ihrer Gemeinde und insbesondere mit ihrer Schule zu erbringen. Verständlich, dass wir deshalb die Euphorie einiger Verwaltungsleiter und Bürgermeister über den beabsichtigten bzw. erfolgten Zusammenschluss von Verwaltungsgemeinschaften nicht teilen und auch die Entscheidung über die Schließung der Riestedter Schule für grundsätzlich falsch halten.Wir sehen in solchen Vorgängen nachhaltige, auffallend negative Auswirkungen für den Ort, seiner Bürger, besonders der Schulkinder und eine bewusste Missachtung von geschichtlich gewachsenen Erfahrungen und Bindungen.
Kein Geringerer als der Bundespräsident, Johannes Rau, hat in seiner Neujahrsansprache darauf hingewiesen, dass nicht alles im Leben, wie in einer Fabrik nach ökonomischen Werten und Kennziffern gestaltet werden muss, sondern auch Bereiche existieren sollten, die diesen Zwängen nicht ausgesetzt sind. Wir würden gern unsere Gemeinde und Schule dazuzählen.
Riestedt, im Januar 2004
Über eine Reise nach Polen
„Land der dunklen Wälder und kristall´nen Seen,
Über weite Felder lichte Wunder geh´n“
Von dem Wahrheitsgehalt und der Wirklichkeit dieser etwas weh- und schwermütig klingenden Zeilen aus der
ersten Strophe des Ostpreußenliedes konnte sich eine Gruppe Riestedter Bürger nun selbst an Ort und Stelle überzeugen. In der Zeit vom 12. bis 21. Juli dieses Jahres weilte sie im östlichen Teil Polens, speziell im
Oberland, im Ermland und in den Masuren, wo dieses Lied wohl seinen Ursprung gehabt haben muss. Die Mehrheit der Teilnehmer unternahm übrigens die Reise
zum zweiten Mal, was sicher für die Qualität und Anziehungskraft der Tour spricht. Veranstalter der Fahrt war das Reisebüro H. & S. Kluth aus Stadtland (Rodenkirchen), dass seit der Wende Kontakt zu einigen Riestedtern pflegt und
welches schon mehrfach Auslandsfahrten mit Riestedter Bürgern durchgeführt hat. Offensichtlich hat sich die Firma Kluth
zu einem Spitzenunternehmen, was die Reisen in das östliche Polen betrifft, entwickelt - das diesjährige Reiseerlebnis lässt
jedenfalls diesen Schluss zu. Eine gute, sinn- und liebevolle Auswahl der Besichtigungsobjekte, wie die wunderschön wieder hergerichtete Innenstadt von Danzig, die Wallfahrtskirchen in Glotowo und Heiligenlinde, die Fahrt nach Frauenburg
ans Haff, zur Wolfsschanze, zur Marienburg, zum Freilichtmuseum Hohenstein, zu einem masurischen Bauernhof (wo es die berühmten Königsberger Klopse gab) und zu einem Reiterhof, wo uns lebenslustige, polnische und ukrainische junge
Menschen mit Musik, Tanz, Essen und Trinken empfingen und verwöhnten und selbst eine Schifffahrt über einen Berg war mit vorgesehen und gelang auch, dank uralter ausgeklügelter Wassertechnik. Hinzu kam, dass auch das Wetter sich
unserem Tourenplan optimal anpasste. Hauptsitz für die Reisegruppe in dieser Zeit war ein ehemaliges Gutshaus, das zu einem schönen Hotel umgebaut wurde und heute noch den alten, etwas eigenartigen aber reizenden Namen „Gartenpungel“
trägt. Dieser „Gartenpungel“ hat eine Geschichte, die erwähnenswert, weil sie sicher auch typisch für dieses Land und seine
gegenwärtige Entwicklung ist. Durch die Kriegsereignisse wurden die ehemaligen Besitzer des Gutes vertrieben und übrig geblieben waren von den einstmals schönen Gebäuden nur noch Ruinen. Ein deutscher Unternehmer und sein polnischer
Partner ließen dieses Objekt wieder neu entstehen. Aufmerksam auf das idyllische Objekt gemacht worden sind sie von einem Mann, der der Reisegruppe angehörte und der gewissermaßen als Reiseführer fungierte. Der heute über 70 Jahre
alte Herr Stuhrmann, ein Original im besten Sinne des Wortes, verlebte hier seine Jugend, denn der „Gartenpungel“ war
sein Elternhaus. Er war es auch, der uns mit vielen lustigen Geschichten unterhielt und uns auch mit ernsthaften Hinweisen
die Geschichte und Seele der Ostpreußen bewusst oder unbewusst näher brachte. Aber über all diesen Dingen standen die einmaligen und herrlichen Naturerlebnisse, der immer wieder auftauchende, dunkle Mischwald mit jahrhundertealten,
hochgewachsenen Eichen, Erlen, Birken, Fichten und Buchen, die mit Bäumen eingesäumten Straßen, die Seen, die Pferde auf der Koppel, die bunten Wiesen, die Vogelwelt - 26 Störche auf einen kleinen Acker konnten wir zählen - Tausende
von Glühwürmchen leuchteten allabendlich auf - einfach einmalig, großartig und sehenswert. Man sagt, selbst die polnischen
Nationalfarben „Rot“ , „Weiß“ , „Blau“ seien der Natur entliehen. Rot für den Klatschmohn, Weiß für die Margeriten und Blau für die Kornblume.
Da ja nun Polen auch der EU beigetreten ist, werden sicher auch die nachbarlichen Beziehungen intensiver und wenn man über den Nachbar etwas mehr weiss, ist das sicher nicht von Schaden. Wir sind jedenfalls überall freundlich aufgenommen worden und brauchten, allen Vorurteilen zum Trotz, unsere Zimmertüren nicht zu verschließen. Summa, Summarum eine Reise, mit Erlebnissen und Bildern, die noch lange in guter Erinnerung bleiben werden.
W. Müller
Riestedt, im Juli 2004
Erneuter Grenzgang in Riestedt
Am 3. Oktober führte der Heimat- und Geschichtsverein von Riestedt bei schönem Herbstwetter seinen zweiten Grenzgang in der Riestedter Flur durch. Offensichtlich hatte sich das Ereignis rumgesprochen, denn die Mitteldeutsche Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 5. November mit nachfolgendem Artikel darüber.
Grenzgänger in Sachen Grenzverlauf auf Achse
Exkursion: Riestedter Geschichtsverein forscht -Erinnerungen an Sprungschanze
VON STEFFI ROHLAND
Riestedt/MZ. Gerhard Vogler vom Riestedter Heimat-und Geschichtsverein konnte am Sonntagmorgen 20 Grenzgänger am Ortsausgang in Richtung Annarode begrüßen. „Schon seit geraumer Zeit beschäftigen sich einige Vereinsmitglieder mit der Erfassung und Erforschung der Flurnamen", sagt er zur. Einstimmung. „Erste Ergebnisse kann man im Vereinsheft Nummer acht nachlesen." Aber neben den Archivrecherchen wollen die Vereinsmitglieder auch ganz praktisch den Grenzverlauf kennen lernen. Deshalb hatten sie, wie im vergangenem Jahr, zur Grenzwanderung eingeladen. Am so genannten „Zehntstein" rollte Klaus Vinzens eine vorbereitete Karte der Gemarkung von Riestedt aus. Vereinsmitglied Frank Philippczyck erklärte den Standort und die Lage der Grenze zum benachbarten Pölsfeld. Dabei wies Philippczyck auf wiederholt vorgekommene Umbenennungen von Flurteilen hin. So trug die heutige „Pomplitzenschlucht" im 17.Jahrhundert noch die Bezeichnung „Harandistal". Diese Namenswechsel machen es den Riestedter Heimatforschern nicht leicht. Manchmal kommen nämlich auch Änderungen der Nutzungsart des Flurstückes und der Wegeführung dazu. Das zog natürlich auch eine Verschiebung der Flurnamen mit sich. „Wir werden weiterhin alle Flurnamen sammeln und in Karten dokumentieren", erklärten Gerhard Vogler und Winfried Müller die weitere Vorgehensweise. Vom Zehntstein aus ging es zur „Steyer". Hier war früher ein beliebter Wintersportplatz für die Riestedter. So erinnerte sich Helga Bergmann noch an eine selbst gebaute Sprungschanze in den 50er und 60er Jahren. „Der Schanzenrekord lag immerhin bei 16 Metern", wusste Klaus Vincens zu berichten. Von dort aus führte der Exkursionsweg zur Grenze zwischen Emseloh und Riestedt. Vorbei am Tellerholz ging es zum alten Segelfllugplatz. Was sich heute als eine stark verkrautete Süßkirschenplantage präsentiert, war bis 1945 ein Segelflugplatz. Gerhard Vogler hatte als Schüler noch geholfen, die Flugzeuge mit Gummiseilen zu starten. Fleißige Helfer hatten hier inzwischen einen Imbiss in der freien Natur vorbereitet: Bei den hausgeschlachteten Wurstbemmen oder Fett mit Harzerkäse und frisch gepflückten Äpfeln griffen die hungrig gewordenen Grenzgänger tüchtig zu.
Bilder vom Grenzgang am 3. Oktober 2004

Der erste Halt findet am “Zehntstein” statt. Eine Flurbezeichnung, die an die Erhebung des Zehnten im Mittelalter erinnert. Der weitere Grenzgang wird erläutert.

Trotz Karte und Experten ist es nicht so leicht, den richtigen Grenzverlauf zu finden. Unsere Altvorderen hatten die Flurnamen im Kopf offensichlich besser gespeichert.

Auf der “Steyer” von hier hat man einen wunderschönen Ausblick auf unseren Ort Riestedt und das Harzvorland

Die “Steyer”- im Hintergrund die Kloppgasse - auf ihr zog Heinrich V. zur Schlacht gegen die aufständischen Fürsten bei Welfesholz. Er verlor die Schlacht am 11. Februar Anno 1115

Am “Tellerholz” ist die Grenze zum Nachbarort Emseloh erreicht. Unterhalb dieser Stelle liegt der ehemalige Segelflugplatz

Auch ein Höhepunkt beim Grenzgang, die Versorgung mit sogenannten “Bemmen” (belegte Brote mit Hausschlachtewurst). Dem Spender ein herzliches Dankeschön.
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Eingliederung
(Riestedt wird Bestandteil der Stadt Sangerhausen)
Am 1. Oktober 2005 wurde die bis dato bestandene Verwaltungsgemeinschaft Sangerhausen aufgelöst. Der Grund für diese Auflösung war die Neueingliederung von ehemals selbstständigen 13 Ortschaften und 2 Ortsteilen zur Stadt Sangerhausen. Ein Monat später, also am 1. Dezember 2005, schloß sich auch die Gemeinde Riestedt der Eingliederung nach Sangerhausen an, obwohl zu diesem Zeitpunkt auch noch die Möglichkeit des Verbleibs in der im Jahre 2004 gegründeten Verwaltungsgemeinschaft „Allstedt – Kaltenborn“ gegeben war. Ursprünglich war Riestedt Verwaltungszentrum und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft „Kaltenborn“ mit den Orten Riestedt, Blankenheim, Emseloh, Beyernaumburg, Liedersdorf, Holdenstedt und Sotterhausen. Nach einer Wahlentscheidung hielt offensichtlich die Mehrheit der Riestedter Bürger den Austritt aus der Verwaltungsgemeinschaft „Allstedt – Kaltenborn“ und die Eingliederung nach Sangerhausen für die bessere Lösung. Sowohl die Kreis- als auch die Stadtverwaltung hatten diesen Vorgang der Eingliederung stark forciert, weil durch eine zu geringe Einwohnerzahl der Stadt Sangerhausen, der Verlust des Kreisstatus gegenüber dem Kreis Eisleben drohte. Sicher ist der Erhalt des Kreisstatus für alle Orte des Kreises in vielerlei Hinsicht von Vorteil. Es erhebt sich aber die Frage, ob dieser Vorgang, der für die Stadt und den Kreis Sangerhausen sogar eine existentielle Bedeutung hatte, nicht zu Lasten der beigetretenen Orte geht. Mit Sicherheit besteht die Gefahr, wenn nicht sorgfältig mit der Eingliederung umgegangen wird, daß diese beigetretenen Orte ihre bereits begrenzte Selbständigkeit und geschichtliche Identität verlieren.

In ihrer Ausgabe vom 7. Dezember 2006 berichtet die Mitteldeutsche Zeitung über eine neue Aktivität des Riestedter Heimat- und Geschichtsvereins.
Zusammen mit dem nebenstehenden Bild ist dort nachzulesen: “.....der Riestedter Lehrer Rudolph Allmann hat in den Jahren 1964 und 1965 alte Häuser in seinem Heimatort fotografiert und dazu Beschreibungen verfasst. Mit diesen Fotos legten Reinhold Wagner und Winfried Müller vom ortsansässigen Geschichtsverein den Grundstein für ein anspruchsvolles “Bilderbuch” von Riestedt. Darin sind 64 Ansichten abgebidet, jeweils mit einem Foto in schwarzweiß von 1964 und einem aktuellen Bild von 2006. Dabei sind auch solche Gebäude mit enthalten, die in den letzten Jahrzehnten abgerissen wurden, so in der Magdeburger Straße, das Schlösschen, das Schulhaus I, in der Pfarrgasse und Mansfelder Straße.Dem Ratskeller ist ein Textbeitrag vorangestellt. “Der Ratskeller ist das älteste und vielleicht auch bedeutenste Gebäude im Ort” , erklärt Winfried Müller. Ansonsten ist auf Ausführungen verzichtet worden. “Es soll ein Bilderbuch sei”, ergänzt Reinhold Wagner.
Das Riestedter Häuser - Bilderbuch
Es gibt zwei Riestedts !